Anubias & Farne aufbinden: Aufsitzerpflanzen richtig befestigen


Anubias und Farne richtig aufbinden: So wachsen Aufsitzerpflanzen auf Wurzeln und Steinen fest

Ein sattgrünes Aquascape lebt von natürlichen Strukturen. Moosbewachsene Hölzer und mit Farnen besiedelte Steine verleihen der Unterwasserlandschaft Tiefenwirkung und Charakter. Wenn du Anubias und Farne richtig aufbinden möchtest, stehst du oft vor der Herausforderung, dass die Pflanzen anfangs Auftrieb haben oder der Faden unschön ins Auge sticht.

Aufsitzerpflanzen wie Anubias barteri oder der Javafarn (Microsorum pteropus) besitzen ein kriechendes Rhizom (Wurzelstock). Dieses darf niemals im Bodengrund vergraben werden, da es dort unweigerlich fault. Das Aufbinden oder Aufkleben auf Hardscape ist daher die beste Methode, um vitale, langlebige Pflanzen im Aquarium zu etablieren.

Dieser umfassende Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie Einsteiger und Fortgeschrittene Aufsitzerpflanzen bombenfest fixieren, welches Material sich am besten eignet und wie die Pflanzen perfekt mit dem Untergrund verwachsen.

Warum Aufsitzerpflanzen im Aquarium eine Sonderrolle einnehmen

Im Gegensatz zu klassischen Stängelpflanzen wie der Haarnixe oder Rosablättrigen Pflanzen nehmen Anubias, Javafarne und Bucephalandra ihre Nährstoffe primär über die Blätter direkt aus dem Wasser auf. Die Haftwurzeln dienen in erster Linie der Verankerung auf festen Oberflächen.

In ihren natürlichen Habitaten in Westafrika oder Südostasien wachsen diese Arten in der Spritzwasserzone von Bächen und Flüssen. Sie krallen sich regelrecht an Felsen und Baumwurzeln fest, um der starken Strömung zu trotzen. Im Aquarium bilden sie diese Haftwurzeln nur aus, wenn sie einen festen, unbeweglichen Gegendruck spüren.

Das Einpflanzen in Kies oder Soil führt meist zum Absterben der Pflanze. Spätestens nach wenigen Wochen werden die Blätter gelb, das Rhizom wird weich und die Pflanze löst sich auf. Das Anubias und Farne richtig aufbinden ist somit kein rein optisches Stilmittel, sondern essenziell für das Überleben der Pflanzen.

Die Materialauswahl: Faden, Angelschnur oder Pflanzenkleber?

Für das Fixieren von Aufsitzerpflanzen auf Hardscape haben sich in der Aquaristik drei wesentliche Methoden etabliert. Jede Variante hat spezifische Vor- und Nachteile, die je nach Layout und persönlicher Vorliebe abgewogen werden sollten.

Baumwollfaden (Der Klassiker)

Ein einfacher, dunkelgrüner oder brauner Baumwollfaden ist die umweltfreundlichste Variante. Der Faden hält die Pflanze so lange an Ort und Stelle, bis sie eigene Haftwurzeln gebildet hat. Nach einigen Wochen oder Monaten zersetzt sich die Baumwolle im Wasser von selbst. Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Pflanze bereits eigenständig mit dem Untergrund verbunden.

Nylonschnur / Angelschnur (Die dauerhafte Lösung)

Transparente Angelschnur ist extrem reißfest und nahezu unsichtbar im Aquarium. Sie zersetzt sich nicht. Das ist besonders bei langsam wachsenden Farnen von Vorteil, die Monate benötigen, um auf sehr glatten Steinen wie Vulkangestein oder Flusskieseln Halt zu finden. Der Nachteil: Wenn du die Schnur später entfernen möchtest, musst du sie vorsichtig mit einer Schere aufschneiden.

Sekundenkleber auf Cyanacrylat-Basis (Der schnelle Weg)

Die Nutzung von Pflanzenkleber hat das Aquascaping revolutioniert. Sekundenkleber auf Basis von Cyanacrylat ist nach dem Aushärten absolut ungiftig für Garnelen, Fische und Schnecken. Diese Methode eignet sich hervorragend für filigrane Hardscape-Formen, bei denen ein Umwickeln mit Faden unmöglich ist. Der Kleber härtet bei Kontakt mit Feuchtigkeit sofort aus und wird dabei weißlich, weshalb er extrem sparsam dosiert werden muss.

Profi-Tipp für ein unsichtbares Ergebnis:

Wenn du Sekundenkleber nutzt, bestreue die feuchte Klebestelle sofort mit etwas feinem Soil-Pulver oder zerriebenem Holzstaub der verwendeten Wurzel. Dadurch wird der Kleber perfekt kaschiert und fällt im fertigen Layout überhaupt nicht mehr auf.

Vorbereitung der Pflanzen: Der Schlüssel zum Erfolg

Bevor es an das eigentliche Aufbinden geht, müssen die Pflanzen optimal vorbereitet werden. Frisch gekaufte Pflanzen stecken meist in Töpfen mit Steinwolle oder stammen aus In-Vitro-Bechern.

Steinwolle restlos entfernen: Befreie die Wurzeln vorsichtig unter fließendem, lauwarmem Wasser von der Steinwolle. Reste von Steinwolle können im Aquarium gammeln und Algenbildung begünstigen.

In-Vitro-Gel abspülen: Bei In-Vitro-Pflanzen muss das Nährgel vollständig abgewaschen werden, da es sonst zu Bakterienrasen im Becken führt.

Wurzeln einkürzen: Scheue dich nicht davor, die vorhandenen langen Wurzeln mit einer scharfen Aquascaping-Schere auf etwa 1 bis 2 Zentimeter einzukürzen. Dies erleichtert das Aufbinden enorm und regt die Pflanze dazu an, frische, kräftige Haftwurzeln zu bilden.

Rhizom kontrollieren: Achte darauf, das dicke, horizontale Rhizom nicht zu beschädigen. Schneide nur die feinen Nebenwurzeln.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Anubias und Farne richtig aufbinden

Die Methode mit dem Faden ist schonend, sicher und führt bei richtiger Ausführung zu einem extrem natürlichen Look. Platziere dein Hardscape (Wurzeln oder Steine) am besten vor dem Befüllen des Aquariums auf der Arbeitsfläche.

1. Die optimale Position finden

Lege die vorbereitete Pflanze an die gewünschte Stelle des Holzes oder Steins. Achte darauf, dass die Wachstumsspitze des Rhizoms freiliegt und nicht verdeckt wird. Farne wirken besonders natürlich in Astgabeln, während Anubias in Spalten von Steinen hervorragend zur Geltung kommen.

2. Den Faden ansetzen

Knote den Faden (Baumwolle oder Nylon) ein Stück unterhalb der geplanten Pflanzenposition an der Wurzel fest. Lasse ein kurzes Ende des Fadens stehen, um es später mit dem Gegenstück zu verknoten.

3. Das Rhizom vorsichtig umwickeln

Führe den Faden nun in gleichmäßigen Windungen über das Rhizom der Pflanze. Der Zug sollte fest genug sein, damit die Pflanze nicht wackelt oder wegschwimmt, aber locker genug, um das Pflanzengewebe nicht einzuschneiden. Zwei bis drei Wicklungen reichen meist völlig aus. Wickele niemals über die Blätter oder die Triebspitze.

4. Den Knoten sichern

Verknote das Ende des Fadens mit dem zu Beginn stehengelassenen Fadenende. Ein dreifacher Schifferknoten sorgt dafür, dass sich die Wicklung unter Wasser nicht selbstständig löst. Schneide die überstehenden Fadenenden dicht am Knoten ab.

Alternative Methode: Das Aufkleben im Detail

Wenn das Aufbinden aufgrund der Form des Steins oder der Wurzel fehlschlägt, ist der Pflanzenkleber die ideale Alternative. Gehe dabei wie folgt vor:

Untergrund trocknen: Tupfe die Stelle auf dem Stein oder der Wurzel mit einem Küchentuch trocken. Auf trockenem Untergrund haftet der Kleber sauberer.

Kleber dosieren: Trage einen minimalen Punkt Sekundenkleber auf das Rhizom der Pflanze oder direkt auf das Hardscape auf. Weniger ist hier definitiv mehr.

Pflanze fixieren: Drücke die Pflanze für ca. 5 bis 10 Sekunden sanft auf die gewünschte Stelle.

Befeuchten: Besprühe die Pflanze sofort mit Wasser aus einer Sprühflasche. Der Kleber härtet augenblicklich aus und die Pflanze trocknet nicht aus.

Welches Hardscape eignet sich am besten?

Nicht jede Oberfläche bietet Aufsitzerpflanzen den gleichen Halt. Je rauer und poröser das Material ist, desto schneller wachsen die Haftwurzeln fest.

Moorkienwurzeln / Talawa Wood: Sehr gut geeignet. Die raue Holzstruktur bietet den feinen Wurzeln optimalen Halt. Anubias wachsen hier oft schon nach zwei bis drei Wochen fest.

Lava-Gestein: Der absolute Spitzenreiter unter den Steinen. Die extrem poröse Oberfläche der Lava erlaubt es den Wurzeln, tief in das Gestein einzudringen. Ein Abfallen ist nach dem Festwachsen fast unmöglich.

Drachenstein (Ohko Stone): Durch die tiefen Löcher und Spalten lassen sich Anubias und Farne hier oft sogar ganz ohne Hilfsmittel einfach hineinklemmen. Die Pflanzen verkeilen sich von selbst und wachsen fest.

Flusskiesel / Glatte Steine: Erfordern Geduld. Auf glatten Oberflächen rutschen die Wurzeln leicht ab. Hier empfiehlt sich die Nutzung von dauerhafter Angelschnur oder Sekundenkleber, da Baumwollfäden oft verrotten, bevor die Pflanze echten Halt gefunden hat.

Pflege und Nährstoffversorgung nach dem Aufbinden

Nachdem du deine Anubias und Farne richtig aufgebunden hast, benötigen sie eine angepasste Pflege, um prachtvoll zu gedeihen. Da Aufsitzerpflanzen keine Nährstoffe aus dem Bodengrund ziehen können, ist eine reine Bodengrunddüngung (wie Düngekugeln oder Soil) für sie wirkungslos.

Die Versorgung muss zwingend über die Wassersäule erfolgen. Ein hochwertiger flüssiger Eisenvolldünger sowie bei Bedarf ein NPK-Makronährstoffdünger sind ideal. Da Aufsitzerpflanzen zu den langsam wachsenden Arten gehören, ist ihr Nährstoffbedarf moderat. Ein Überangebot an Dünger bei gleichzeitig zu starker Beleuchtung führt schnell zu Punktalgen oder Pinselalgen auf den langlebigen Blättern.

Positioniere Anubias daher bevorzugt in leicht schattierten Bereichen des Aquariums – beispielsweise im Schatten größerer Hardscape-Elemente oder unter Schwimmpflanzen. Farne vertragen etwas mehr Licht, danken es dir aber ebenfalls, wenn sie nicht der direkten, intensiven LED-Strahlung ausgesetzt sind.

Häufige Fehler beim Aufbinden und wie du sie vermeidest

Das Rhizom wird gequetscht: Wenn du den Faden zu fest anziehst, schneidet er in das Rhizom. Die Folge ist Gewebetod und das Abfaulen der Pflanze an dieser Stelle.

Die Pflanze hat zu viel Spielraum: Wackelt die Pflanze durch die Strömung des Filters, kann sie keine stabilen Haftwurzeln entwickeln. Jede Bewegung reißt die mikroskopisch kleinen Wurzelhärchen sofort wieder ab. Die Pflanze muss absolut starr fixiert sein.

Zu viel Kleber verwendet: Große, weiße Klebepunkte sehen im Aquarium unschön aus und lassen sich nur schwer wieder entfernen. Verwende Kleber immer nur punktuell.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, bis Anubias auf Wurzeln festwachsen?

In der Regel benötigen Anubias-Arten je nach Oberflächenstruktur des Holzes etwa 3 bis 6 Wochen, um sich dauerhaft von alleine festzuhalten. Auf glatten Steinen kann dieser Prozess auch bis zu 8 Wochen dauern.

Kann man Javafarn mit normalem Sekundenkleber aufkleben?

Ja, handelsüblicher Sekundenkleber kann verwendet werden, sofern er als Wirkstoff ausschließlich Cyanacrylat enthält und frei von Lösungsmitteln oder Zusatzstoffen ist. Flüssiger Kleber oder Gel-Kleber aus dem Aquaristik-Fachhandel bietet jedoch oft eine präzisere Handhabung unter feuchten Bedingungen.

Was passiert, wenn man das Rhizom von Aufsitzerpflanzen eingräbt?

Das Rhizom benötigt zwingend den Kontakt zu sauerstoffreichem Wasser. Wird es in Kies, Sand oder Soil vergraben, kommt es mangels Zirkulation zu anaeroben Prozessen. Das Rhizom beginnt zu faulen, die Blätter fallen ab und die Pflanze stirbt unweigerlich ab.

Das passende Zubehör für dein Aquascape

Das Anubias und Farne richtig aufbinden gelingt nur dann perfekt, wenn das Werkzeug und das Material stimmen. Stumpfe Scheren quetschen die feinen Wurzeln, minderwertige Fäden reißen im unpassenden Moment und ungeeigneter Kleber kann unschöne Spuren hinterlassen.

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