Fressen Welse Kot? Der Mythos & richtige Wels-Ernährung


Fressen Welse Kot? Der Mythos und die Wahrheit über die richtige Wels-Ernährung

Du sitzt vor deinem Aquarium, beobachtest deine Fische und fragst dich, wer eigentlich den ganzen Schmutz am Boden wegmacht. Dabei fällt dein Blick auf die Antennenwelse oder Panzerwelse, die unermüdlich den Kies absuchen. Schnell schwirrt ein altbekanntes Gerücht durch den Kopf: Fressen Welse den Kot anderer Fische?

Dieser Mythos hält sich im Aquaristik-Bereich extrem hartnäckig. Gerade Einsteiger freuen sich über die vermeintlichen „biologischen Staubsauger“, die das Becken sauber halten. Doch wer glaubt, dass mit dem Einzug von Welsen die Beckenreinigung erledigt ist und keine Fütterung mehr nötig ist, begeht einen fatalen Fehler.

In diesem umfassenden Ratgeber räumen wir mit dem Mythos auf. Du erfährst exakt, was Welse wirklich fressen, warum die falsche Ernährung tödlich enden kann und wie du deine Bodenbewohner artgerecht fütterst.

Der Mythos enthüllt: Warum Welse keinen Fischkot fressen

Um es direkt klipp und klar zu sagen: Nein, Welse fressen keinen Kot. Kein Fisch nutzt die Ausscheidungen anderer Tiere als primäre Nahrungsquelle. Kot enthält für Fische keine verwertbaren Nährstoffe mehr, sondern besteht hauptsächlich aus unverdaulichen Resten, Bakterien und Abfallstoffen.

Warum hält sich das Gerücht trotzdem so hartnäckig? Die Antwort liegt im natürlichen Verhalten der Tiere. Welse sind extrem neugierig und suchen den Bodengrund permanent nach fressbaren Proteinen, Algen oder Mikroorganismen ab.

Wenn ein Wels den Boden „abstaubsaugt“, nimmt er dabei zwangsläufig auch Mulm oder Kotpartikel in das Maul. Er prüft den Geschmack in Sekundenschnelle. Da Kot ungenießbar ist, spuckt der Wels ihn über die Kiemen oder das Maul direkt wieder aus. Für das menschliche Auge sieht diese hektische Bewegung oft so aus, als würde das Tier den Unrat fressen.

Wichtiger Hinweis: Wer seine Welse im Aquarium nicht gezielt füttert, weil er sie für Kotfresser hält, lässt seine Tiere langsam und qualvoll verhungern. Welse benötigen eine eigene, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Nährstoffzufuhr.

Die wahre Rolle von Welsen im Aquarium: Was ist Mulm?

Welse sind keine Müllschlucker, aber sie erfüllen dennoch eine extrem wichtige Funktion im biologischen Kreislauf deines Aquariums. Sie sind hervorragende Resteverwerter. Alles, was die Oberflächenfische wie Salmler oder Guppys übersehen, sinkt zu Boden. Genau hier kommen deine Welse ins Spiel.

Futterreste-Vernichter: Sie fressen herabgefallene Flocken, Granulate und Frostfuttertabletten, bevor diese im Boden verfaulen und das Wasser belasten.

Algenpolierer: Viele Harnischwelse (wie der klassische Antennenwels) raspeln den ganzen Tag Biofilme und junge Algen von Steinen, Wurzeln und den Aquarienscheiben.

Aufwirbeln von Sedimenten: Durch ihre ständige Bewegung am Boden wirbeln sie leichten Mulm auf. Dadurch kann der Aquarienfilter die Schwebeteilchen viel besser erfassen und absaugen.

Dabei darfst du Mulm nicht mit purem Kot verwechseln. Mulm ist ein wertvolles Gemisch aus abgestorbenen Pflanzenteilen, nützlichen Bakterienkulturen und organischen Resten. Manche Welsarten, besonders Jungtiere, knabbern diese Schichten nach verwertbaren Mikroorganismen ab. Der eigentliche Fischkot bleibt dennoch liegen und muss von dir beim Wasserwechsel abgesaugt werden.

Die verschiedenen Welsarten und ihre Ernährungsbedürfnisse

Wels ist nicht gleich Wels. Die Familie der Welse ist riesig, und die Evolution hat völlig unterschiedliche Spezialisten hervorgebracht. Wenn du deinen Tieren etwas Gutes tun willst, musst du ihre spezifischen Fressgewohnheiten kennen. Wir unterteilen die beliebtesten Aquarien-Welse in drei Gruppen.

1. Herbivore Welse (Pflanzenfresser)

Hierzu zählen die meisten klassischen Harnischwelse (Loricariidae), wie der Blaue Antennenwels (Ancistrus sp.). Ihre Raspelmäuler sind perfekt darauf ausgelegt, pflanzliche Nahrung von Oberflächen abzukratzen. Sie benötigen einen sehr hohen Anteil an Rohfasern und pflanzlichen Proteinen.

2. Carnivore und Omnivore Welse (Fleisch- und Allesfresser)

Panzerwelse (Corydoras) gehören zu den absoluten Lieblingen im Aquarium. Sie sind jedoch keine Pflanzenfresser! Panzerwelse sind Omnivore mit einem starken Hang zu carnivorer Nahrung. Mit ihren feinen Barteln durchwühlen sie den Sand nach Würmern, kleinen Krebsen und Insektenlarven. Pflanzen oder Algen stehen bei ihnen fast nie auf dem Speiseplan.

3. Holzraspler (Spezialisten)

Manche Welsarten, wie der Panaque oder der Linienwels, besitzen modifizierte Zähne, mit denen sie weiches Holz abraspeln. Sie fressen das Holz nicht im klassischen Sinne, sondern benötigen die darin enthaltene Cellulose zwingend für ihre Verdauung. Ohne echte Moorwurzeln oder Moorkienholz im Aquarium erkranken diese Tiere unheilbar an Darmverschlüssen.

So sieht die perfekte, artgerechte Wels-Ernährung aus

Eine artgerechte Fütterung sorgt für vitale Tiere, prachtvolle Farben und eine erfolgreiche Vermehrung. Da Welse meistens nachts oder in den Dämmerungsstunden aktiv werden, solltest du sie idealerweise kurz vor dem Ausschalten der Aquarienbeleuchtung füttern. So verhinderst du, dass die flinken Fische aus den oberen Wasserregionen den Welsen alles wegfressen.

Hochwertiges Trockenfutter: Welstabletten und Wafer

Vergiss den Gedanken, dass Welse von den Resten der anderen Fische leben können. Du benötigst spezielles Futter, das schnell zu Boden sinkt und formstabil bleibt.

Futtertabletten (Tabs): Diese gibt es als pflanzliche Variante oder mit hohem Fleischanteil (z. B. mit Artemia oder Krill). Sie lösen sich langsam auf, sodass die Welse das Futter in Ruhe abraspeln oder fressen können.

Wafer (Futter-Chips): Diese sind extrem hart gepresst. Sie sind perfekt für Harnischwelse geeignet, da sie das natürliche Raspelverhalten an Holz und Steinen simulieren.

Frost- und Lebendfutter für Panzerwelse

Panzerwelse lieben Abwechslung. Da sie Fleischfresser sind, solltest du ihren Speiseplan regelmäßig mit Frostfutter oder lebenden Snacks aufwerten. Besonders beliebt sind rote, weiße und schwarze Mückenlarven, Tubifex sowie Artemia. Achte darauf, das Frostfutter vor dem Verfüttern in einem kleinen Sieb mit Leitungswasser aufzutauen, um die Phosphatbelastung im Aquarium gering zu halten.

Frisches Gemüse als Vitaminkick

Harnischwelse freuen sich riesig über frische Kost aus der Küche. Du kannst folgende Gemüsesorten anbieten:

Zucchini und Gurke: In dicke Scheiben geschnitten, kurz mit kochendem Wasser überbrüht (damit sie weicher werden) und mit einem Spieß am Boden fixiert.

Hokkaido-Kürbis: Getrocknete Streifen sind ein absoluter Leckerbissen und können tagelang im Becken verbleiben.

Geschälte Erbsen: Leicht zerdrückt werden sie von vielen Welsarten gierig gefressen.

Entferne nicht gefressene Gemüsereste spätestens nach 24 Stunden aus dem Becken, da sie sonst das Wasser extrem stark belasten und eine Bakterienblüte auslösen können.

Einkaufsberater: Worauf du beim Kauf von Welsfutter achten musst

Der Markt ist voll von billigem Fischfutter, das mit günstigen Füllstoffen wie Weizenmehl oder Fischmehl minderer Qualität gestreckt ist. Solches Futter führt bei Welsen schnell zu Verstopfungen, Blähungen und einer massiven Wasserverschmutzung. Wenn du Welsfutter kaufst, solltest du penibel auf die Inhaltsstoffe achten.

Kriterien für gutes pflanzliches Welsfutter (für Harnischwelse)

Hoher Algenanteil: Ideal sind Zusätze von Spirulina oder Chlorella (mindestens 10-20 %).

Rohfasergehalt: Ein hoher Anteil an Rohfasern sichert eine gesunde Verdauung.

Holzanteil: Premium-Wafer enthalten oft echtes Holzmehl, was den natürlichen Bedürfnissen der Raspler entgegenkommt.

Kriterien für gutes carnivores Welsfutter (für Panzerwelse)

Hochwertige Proteine: Fischmehl sollte ganz hinten stehen. Achte lieber auf Inhaltsstoffe wie ganzen Fisch, Garnele, Krill oder Insektenproteine.

Sinkgeschwindigkeit: Die Tabletten müssen schwer genug sein, um sofort abzusinken, damit sie nicht im Filter landen.

Häufige Fehler bei der Haltung und Fütterung von Welsen

Selbst erfahrene Aquarianer tappen gelegentlich in die Falle, wenn es um die Pflege von Bodenfischen geht. Vermeide diese drei klassischen Fehler, damit deine Welse ein langes und gesundes Leben führen können.

Fehler 1: Fütterung nur alle paar Tage

Da Welse oft versteckt leben, werden sie schlichtweg vergessen. „Die finden schon was“ ist der größte Irrglaube. Welse müssen täglich gefüttert werden – genau wie jeder andere Fisch auch. Sichtbar eingefallene Bäuche oder trübe Augen sind bereits akute Anzeichen für massiven Nährstoffmangel.

Fehler 2: Falscher Bodengrund für Panzerwelse

Panzerwelse besitzen empfindliche Barteln, mit denen sie im Boden nach Nahrung suchen. Wenn du scharfkantigen Kies im Aquarium hast, verletzen sich die Tiere die Barteln. Diese entzünden sich, verpilzen und sterben ab. Das führt dazu, dass die Fische keine Nahrung mehr aufspüren können. Verwende für Panzerwelse immer feinen, abgerundeten Sand.

Fehler 3: Überfütterung und Wasserqualität

Weil Welstabletten recht groß sind, verschätzt man sich leicht bei der Menge. Zu viele Futtertabletten, die über Stunden gammeln, lassen die Nitrit- und Phosphatwerte rasant ansteigen. Füttere nur so viel, wie die Welse innerhalb von ein bis zwei Stunden komplett verputzt haben.

Häufig gestellte Fragen zu Welsen und ihrer Ernährung (FAQ)

Warum gründeln Welse im Kot, wenn sie ihn nicht fressen?

Welse suchen im Kot nach unverdauten Futterresten. Wenn die Oberflächenfische ihr Futter nicht richtig kauen oder minderwertiges Futter bekommen, landen verwertbare Reste im Kot. Der Wels nimmt den Kot auf, filtert die Futterpartikel heraus und spuckt den unverdaulichen Rest wieder aus.

Welche Fische fressen wirklich den Kot anderer Fische?

Es gibt im Süßwasseraquarium keine Fischart, die sich von Kot ernährt. Die Reinigung des Bodengrunds von Kot und abgestorbenen Pflanzenresten liegt einzig und allein in der Verantwortung des Aquarianers durch den regelmäßigen Einsatz einer Mulmglocke.

Wie erkenne ich, ob mein Wels hungert?

Ein gesunder Wels hat einen leicht nach außen gewölbten oder flachen, gut genährten Bauch. Zeigt der Wels eine deutliche Delle nach innen (Einfallsbauch) oder wirkt der Kopf im Verhältnis zum Körper massiv vergrößert, leidet das Tier unter akutem Nahrungsmangel.

Brauchen alle Welse Holz im Aquarium?

Nein, nicht alle. Panzerwelse oder Hexenwelse benötigen kein Holz. Für die große Gruppe der Harnischwelse (wie Antennenwelse, Hexenwelse, LDA- und L-Welse) ist echtes, weiches Holz (z. B. Moorkienwurzeln) jedoch absolut lebensnotwendig für die Verdauung.

Fazit: Gesunde Welse brauchen echte Nahrung, keinen Abfall

Wir halten fest: Welse sind faszinierende, nützliche und wunderschöne Aquarienbewohner, aber sie sind definitiv keine Kotfresser. Sie reinigen dein Becken zwar von lästigen Algen und herabgefallenen Futterresten, benötigen für ein gesundes Leben jedoch zwingend ihr eigenes, hochwertiges Spezialfutter.

Verwöhne deine Bodenbewohner mit einer abwechslungsreichen Ernährung aus pflanzlichen Wafern, proteinreichen Futtertabs und gelegentlichem Frostfutter. Deine Fische werden es dir mit Vitalität, Aktivität und einer langen Lebensspanne danken.

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